HÖRSPIELE

DER REAKTOR
Nach dem gleichnamigen Roman von Elisabeth Filhol

Durch Einsparungen und Gewinnoptimierungen sind eine Vielzahl der Beschäftigten in der europäischen Atomindustrie gezwungen, sich als schlecht bezahlte Leiharbeiter einstellen zu lassen. Die Verträge sind von kurzer Dauer und das persönliche Risiko ist enorm. Diese Verhältnisse erzeugen ein modernes Nomadentum. Tausende Arbeiter fahren von einem Kraftwerk zum nächsten und schlafen auf Zeltplätzen oder in überfüllten Pensionen. Passiert etwas – wird etwa die festgelegte, jährliche Maximaldosis an Strahlung überschritten – sind die Arbeiter auf sich allein gestellt und werden nicht weiter beschäftigt.
Dieser beklemmende Tatsachenbericht des gleichnamigen, französischen Bestsellers von Elisabeth Fihol kennt viel Verzweiflung bis hin zum Selbstmord und nur wenig Solidarität untereinander.

Im Hörspiel ist Yann einer dieser Arbeiter. Als Reinigungsspezialist für Kühlungsbecken fährt er von Kraftwerk zu Kraftwerk. Im Nacken die permanente Angst zu viel Strahlung ausgesetzt zu sein und sofort gesperrt zu werden. Der Tag kommt, an dem das Unvermeidliche eintritt. Auf seinem Weg begleitet ihn für kurze Zeit Loїc, ein Kollege, der schon zu lange dabei ist und die Last nicht mehr erträgt. Doch auch nach dessen Selbstmord ändert Yann sein Leben nicht – zu sehr ist er auf sich allein gestellt, zu absolut sind die Verhältnisse.



Besetzung:
Laura Maire, Matthias Buss, Bernhard Schütz, Hubertus Gertzen,
Bodo Primus, Nadine Kettler, Ronald Spiess

Regie: Christoph Kalkowski
Komposition: Vredeber Albrecht
Ton & Technik: Daniel Senger, John Krol
Übersetzung: Cornelia Wand
Regieassistenz: Nicole Paulsen

Text: Ben Neumann
Dramaturgie: Andrea Oetzmann
Produktion: SWR 2012 /ca. 71'


Ben Neumann Reaktor Elisabeth Filhol